Das 20. Jahrhundert

Kelbra war 1904 Gründungsmitglied des Vereins Harzerkurorte und der benachbarten Städte zur  „Hebung des Fremdenverkehres". Gründungsversammlung war am 5. Januar 1904 Bürgermeister Boehme nahm an der Versammlung teil.

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Im 1. Welt Krieg 1914/17 sammelten die Mitglieder des Kyffhäuserbundes für die Unterstützung der Angehörigen Gefallener ca. 504.000 Mark. Durch den Druck der politischen Verhältnisse in Deutschland war der Kyffhäuserbund 1939 gezwungen, sich in „NS-Reichskriegerbund" umzubenennen. 1939 baute der Bund ein umfangreiches Hilfs-und Liebesgabenwerk für die Soldaten an der Front des 2. Weltkrieges, ihren Angehörigen in der Heimat, die Kriegsbeschädigten und für die Hinterbliebenen auf. Das bezog sich aber nicht nur auf die Mitglieder des Vereins. Rund 25000 Kinder, die während des Krieges geboren wurden und deren Väter an der Front waren, erhielten als Patengabe ein Sparbuch.

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Infolge des l. Weltkrieges und der Inflation wurde auch in Kelbra (wie auch in anderen Städten) Notgeld herausgegeben.

Ab 1916 wurden Kleingeldmarken aus Eisen in folgenden Werten geprägt:

 5000 Stück a  5 Pfennige
 5000 Stück a  10 Pfennige
 5000 Stück a  20 Pfennige
   

 

Mit dem Verfall des Geldwertes genügte dieses Kleingeld nicht mehr. 1920 ließ der Magistrat Notgeldscheine im Wert von 25 Pfennigen drucken. 1921 wurden Notgeldscheine im Wert von 50 Pfennigen gedruckt.
Als die Inflation 1923 ihren Höhepunkt erreichte, genügten die 50 Pfennigscheine nicht mehr und es mussten wieder großes Geld gemacht werden. Der wert der Mark verfiel von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde.

Der amtliche Dollarkurs betrug:

 am 03. Januar 1919: 1 Dollar =  8,02 Mark
 am 02. Januar 1923: 1 Dollar =  7.600,00 Mark
 am 30. Juni 1923: 1 Dollar =  154.500,00 Mark
 Ende Juli 1923: 1 Dollar =  1.102.750,00 Mark
 Ende August 1923: 1 Dollar =  über 10 Millionen Mark
 Ede September 1923: 1 Dollar =  über 160 Millionen Mark

Oktober und November 1923 brachten dann die Hochinflation mit Milliarden und Billionen.
Preise im November 1923:

 1 Pfund (500 g) Salz  150 Milliarden
 1 Liter Milch  380 Milliarden
 1 Pfund Kartoffeln  50 Milliarden
 1 Pfund Brot  250 Milliarden

Am 13. August 1923 gab die Stadtverwaltung Gutscheine im Wert
von 100.000/7.500.000/1.000000 und 10.000000 Mark heraus, die als Zahlungsmittel galten.
Auch die Kyffhäuser-Kleinbahn-Aktiengesellschaft gab solche Schecks heraus.
Vom 24. November 1923 war der Dollarkurs:
1 Dollar    4,20 Goldmark
1 Billion    1 Rentenmark

von da an wurde die deutsche Währung wieder stabil.

Doch viele Millionen Bürger hatten alles verloren, was sie sich vor dem Krieg und der Inflation erspart hatten.
Übrig blieb nur wertloses Papier, dass heute nur noch für Sammler und Heimatgeschichtler Wert besitzt.

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Der Hainweg ist einer der ältesten Wege Kelbras, er verläuft wahrscheinlich seit einigen Tausend Jahren immer an der gleichen Stelle zum Kyffhäusergebirge er wurde auch nie verlegt. Von Kelbra aus führte er in nördliche Richtung weiter über Thürungen,  Berga, Rottleberode über den Harz.

 

Auf ihm wurde vor allem das Salz, das bei Bad Frankenhausen gewonnen wurde, in Richtung Harz transportiert.
Der Weg erhielt deshalb auch die Bezeichnung „Salzweg". Dieser Name hat sich aber nur für ein Teilstück im Gebirge erhalten. Vieles deutet daraufhin, dass dieser Weg schon in der Bronzezeit genutzt wurde, dieses beweisen Ausgrabungsfunde.

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Seit ewigen Zeiten wurde im Kyffhäusergebirge der Kyffhäusersandstein abgebaut und verbaut. Er wurde zu Bauzwecken oder zur Herstellung von Futtertrögen verwendet. In der Kelbraer Feldflur gibt es 10 Steinbrüche, die der Gewinnung von Bausteinen dienten. Zu Beginn des 1. Weltkrieges ging es mit der Arbeit der Steinbrüche zu Ende. Bis in die 30ziger Jahre wurde nur hin und wieder in dem großen Steinbruch am Kahlenberg gearbeitet. Aber allmählich wurde der Kyffhäusersandstein wieder gefragter. Man benötigte ihn für die Befestigung einiger Kelbraer Straßen und zur Helmeregulierung. Ein besonderes Werkstück dieser Zeit ist das Portal unseres Rathauses, welches 1934 aus diesem Stein hergestellt wurde. Auch nach dem 2. Weltkrieg (1945) wurde noch einmal am "Kahlenberg" Sandstein abgebaut. Vor allem zum Kellerbau der Neubauernhäuser. 1950 wurden die Arbeiten im Steinbruch endgültig eingestellt.

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Durch den 1. Weltkrieg war der Turnbetrieb der beiden Turnvereine stark gehemmt worden, er blühte danach aber wieder auf, ab 1918 wurden Sport- u. Spielabteilungen und ab 1919 Frauengruppen aufgebaut. Von der 1918 in Kelbra zwangseinquartierten Funkerabteilung blieben nach Kriegsende einige hier und heirateten einheimische Frauen. Sie waren die Initiatoren, die 1919 einen „Verein für Bewegungsspiele" gründeten, aus dem 1920 der Verein „Sportfreunde Kelbra 20" entstand. 1925 wurde vom 22.-23. August ein Bezirksturnfest des Harz-u. Kyffhäuserbezirks veranstaltet. Dieses war der letzte turnerische und kulturelle Höhepunkt in unserer Stadt vor dem 2. Weltkrieg. 1928 stellte die Stadt Land auf der Gebreite zum Bau eines Sportplatzes zur Verfügung, welches sich die Mitglieder der drei Vereine herrichteten. Mit der Machtübernahme der Nazis wurde ein Turnverein, der Arbeiterturnverein (ATV) verboten. Die Vorstände der anderen beiden Vereine wurden abgesetzt und ein neuer nach dem „Führerprinzip" bestimmt. Daraufhin stellten viele Sportler ihre Vereinstätigkeit ein. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges tat sein übriges. Es war kein geregelter Spielbetrieb mehr möglich.

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Im 1. Weltkrieg von 1914 -1918  fielen 121 Männer aus Kelbra. Im 2. Weltkrieg von 1939 -1945  fielen ??? die Zahl der Gefallenen muss noch erforscht werden. Weitere Opfer waren 10 polnische Staatsbürger die bei einem Bombenangriff am 11. April 1945 ums Leben kamen. Auf dem Friedhof befindet sich ein Gedenkstein für diese 10 Opfer.

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Katastrophenhochwasser 8.2.1909, 31.12.1925-2.1.1926, 8.2.1946-10.2.1946 und Januar 1948. Am 8.2.1909 stieg das Wasser in der Riethstraße bis in die Wohnstuben.

 

In der Nordhäuserstraße lief es über den Straßendamm. Nachdem auf der Bergaer Seite der Helmedamm brach, ließ der Druck der Wassermassen auf der Nordhäuserstraße nach. Dafür trafen sie Thürungen umso stärker, dass die Bewohner teilweise in die höher gelegenen Räume ihrer Häuser flüchten mussten. Silvester 1925 kamen die Wassermassen so schnell, das in nicht einmal 12 Stunden nach den ersten Ausrufungen die Häuser der Riethstraße vom Wasser bedroht waren. Das Hochwasser vom Februar 1926 überstieg sogar die Höchstmarken von 1881 und 1909. Die Weidemühle war von Wasser eingeschlossen und nur per Kahn zu erreichen. Ebenso erging es der Feldmühle. Den Höchststand erreichte das Wasser am 9.2. gegen 11.00 Uhr.
Die Riethstraße stand bis zu 1m unter Wasser, die untere Marktstraße und die Ziegelhüttenstraße waren unpassierbar. Durch Haus, Hof und Saal des Sachsenhofes ergossen sich die Wassermassen. Thürungen stand vollständig unter Wasser und war nur per Kahn zu erreichen. Die Kyffhäuserkleinbahn musste den Verkehr einstellen. Der Damm der Kleinbahn hatte aber schlimmes für die Rieth- und Nordhäuserstraße verhindert.
Auf der Westseite des Dammes stand das Wasser ca. 3m höher als auf der Ostseite. Die eingebauten Durchlässe drohten aus dem Deich herauszubrechen.

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In den Jahren 1925 - 28 hatte Kelbra kühne Pläne. Man wollte die Sole der Solequelle bei Auleben nach Kelbra pumpen und in ein Freibad leiten. Kelbra sollte Solebadeort werden, sogar ein Kyffhäuser-Tafelwasser aus der „ Barbarossaquelle" sollte erzeugt werden. Das Projekt wurde aber zerschlagen als das Gerücht verbreitet wurde, dass die Analyse des Wassers ergeben hätte, es sei radiumhaltig. Die Solequelle ist 1985 versiegt und sprudelte 1989 wieder kurzzeitig.

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1905/06 wurde auf der Rothenburg der Bismarkturm bebaut. Der Verband der Vereine Deutscher Studenten (VVDSt) hatte eigentlich geplant diese Bismarksäule auf den "Altendorfer Klippen" zu errichten. Daraus wurde aber nichts, da die Waldberechtigten wahrscheinlich ihre Zustimmung verweigerten. Daraufhin stellte der Fürst von Schwarzburg Rudolfstadt den Bauplatz in der Ruine Rothenburg kostenlos zur Verfügung. Die Kelbraer Baumeister Rockenfuß und Bloßfeld wurden mit den Bauarbeiten betraut. Am 5.08.1906 wurde der Turm im Rahmen der 3.Kyffhäuserfesttage des VVDSt in Kelbra eingeweiht. Kelbra war viele Jahre lang Gastgeber dieses Studententreffens.

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Im Frühjahr 1921 wurde die Kyffhäuserstraße nach Frankenhausen (heutige B85) für den Kraftfahrzeugverkehr freigegeben. Bis dahin durften hier keine Autos fahren. Dies geschah am 19.06.1921 aus Anlass des 25. Jahrestages der Einweihung des Kyffhäuserdenkmals. Bis dahin fuhren nur Pferdedroschken die zu den Ankünften der Sonderzüge an den Bahnhöfen Berga-Kelbra und Roßla warteten, für den Transport der Besucher zum Denkmal bereit. Vom 1. Mai an durften Postautos, später dann der allgemeine Kraftverkehr die Strecke befahren. Der „Kyffhäuserpost" war keine lange Lebensdauer beschieden. Nach der 25-Jahrfeier wurden die Fahrtzeiten, die Anfangs zweimal täglich in beide Richtungen erfolgten bereits eingeschränkt. Es wurde nur noch an den Wochenenden und dann auch nur in den Sommermonaten gefahren. Die Freigabe für den allgemeinen Kraftverkehr blieb aber bestehen.

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1955 trat Mitte Juni eine anhaltende Regenperiode ein. Das Heu war erst zu 70 % eingefahren.
Das restliche Heu musste auf höher gelegene Wiesen getragen werden. Das meiste war aber nicht mehr als Futter zu gebrauchen. Nach einem schweren Gewitter am 13. Juli 1955 war der Tod eines Einwohners zu beklagen, der in der ausgeuferten Sole ertrank. 1956 setzte wieder Mitte Juni bis in den Juli hinein eine Regenperiode ein. Die Auswirkungen waren noch schlimmer als im Vorjahr. In der Nacht vom 16. zum 17. Juli 1945 regnete es über Kelbra 93 Liter pro Quadratmeter. Die Wassermassen, die in dieser Nacht die "Gebreite" herunter liefen, stauten sich vor dem Damm der Kyffhäuserkleinbahn und suchte sich dann einen Weg entlang des im Bau befindlichen Gleises zur ehemaligen Brauerei, wo es dann in die dortigen Keller lief und diese füllte.
Im April 1961 fielen 110 Liter Regen pro Quadratmeter, deshalb standen am 1. Mai die Wiesen bis zur Nordhäuserstraße unter Wasser. Im Mai fielen noch mal 100 Liter Regen pro Quadratmeter, so war Ende Mai noch nicht daran zu denken auf den Wiesen die Frühjahrsarbeiten durchzuführen. 1977 war ein Regenrekordjahr. Im Juni fielen 131 Liter Regen pro m2 und im August 152,1 Liter pro m2. Doch in diesem Jahr schützte schon die Talsperre die untere Aue vor dem Schlimmsten.

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Die 1877 gegründete Sparkasse Kelbra machte lange Zeit Gewinne, die Bücher und Bestände waren in bester Ordnung, bis zum 24.11.1902 da verbreitete sich die Nachricht dass sich der Kelbraer Sparkassenrendant und der Stadtkämmerer erschossen haben. Am 16.1.1903 berichtete die Sangerhäuser Zeitung, dass in der Stadtsparkasse Unterschlagungen von 14.000 Mark aufgedeckt wurden. Diese festgestellte Summe erhöhte sich später auf 29.500 Mark. Von der Witwe des Rendanten wurden aus der Hinterlassenschaft 23.130 Mark überwiesen, der Rest der Unterschlagungssumme wurde später aus dem Überschuss der Sparkasse gedeckt.
Am 11.03.1908 schreibt die Sangerhäuser Zeitung, dass der Nachfolger Bruns, der Rendant Breibisch Kelbra verlassen habe, sich aber in Halle der Polizei gestellt habe. Er hatte 1.700 Mark aus der Stadtkasse unterschlagen. 1910 wurde Hugo Liebing, der Nachfolger von Breibisch, der sein Amt tadellos führte und zum Bürgermeister gewählt wurde. Ende 1923 trat eine unbeschreibliche Inflation ein, die einen Währungsverfall verursachte. Alle Einlagen der Stadtsparkasse wurden Zunichte gemacht. 1924 musste die Stadtsparkasse wieder bei Null anfangen. Mit den Verlusten, die die Sparer erlitten hatten, sank auch das Vertrauen zur Sparkasse, die sich auch in den dreißiger Jahren nicht wieder richtig erholt hatte. Am 01.03.1934 wurde die Stadtsparkasse Kelbra von der Kreissparkasse Sangerhausen übernommen, damit der Gefährdung der Spareinlagen wegen mangelnder Liquidität vorzubeugen.

Kontakt

Bürger- und Gästeservice Kelbra (Kyffhäuser)

Jochstraße 3, 06537 Kelbra (Kyffhäuser)

Tel.: +49 (0) 34651 459995
Fax: +49 (0) 34651 459996
eMail: buerger-gaeste-service@kelbra.de

Öffnungszeiten:

01.04. - 30.09.: Mo - So, 10.00 - 16.00 Uhr
01.10. - 31.03.: Di - Sa, 10.00 - 16.00 Uhr

 

 

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