Das 18. Jahrhundert

1701 wurde die größte Glocke der Stadt Kirche (Georgii-Kirche) umgegossen, da sie gesprungen war.

1710 hatte Kelbra eine ständige Garnison sächsischer Dragoner, als königlich polnisches Militär. Die Dragoner hatten ihre Quartiere im Amt Kelbra verteilt.

1719 verstarb Wolf Heinrich von Arnswald, sein Besitznachfolger war sein Sohn Wolf Ehrenreich von Arnswald.

1721  wurde der Älteste bekannte Lehensbrief über das Stadtkuhrieth ausgestellt, da diese Lehensbriefe immer auf den Namen des amtierenden Bürgermeister ausgestellt wurden, mussten nach dem Ableben des seitherigen Bürgermeisters Johann Arnold Domrich ein neuer ausgestellt werden.

1724 verstarb Johann Georg Scharfe, Magister, Inspektor und erster Geistlicher der Stadt. Er wurde in der neuen Gottesackerkirche, der Jesuskirche beigesetzt. Diese Kirche war eine Stiftung des Verstorbenen, er hatte 1718 beschlossen sie zu errichten. Weder Kirchengemeinde, noch die politische Gemeinde sollten sich finanziell daran beteiligen. Die Kirche wurde voll aus Spenden, die Scharfe in den Reichsstädten Nordhausen, Nürnberg und Hamburg, vom Adel des Landes und natürlich von Adligen und Persönlichkeiten aus Kelbra und Umgebung finanziert.

1728 versuchten die Gemeinden Berga und Tilleda vom Bierzwang zu Kelbra loszukommen und beantragten beim Kurfürsten zu Dresden den Bau eigner Brauhäuser oder wenigsten die Erlaubnis sich ihr Bier in Roßla oder Sangerhausen holen zu dürfen, dagegen wehrte sich die Kelbraer Brauherren energisch.

1728 ist eine noch zu dieser Zeit übliche Exekution bekannt, am 27. Juli wurde Hans Christoph Mähler wegen Mordes und Straßenraub aufs Rad gelegt. Er beging das schwerste Verbrechen und erlitt dafür auch die schwerste Strafe. Der Richtplatz war auf dem alten Gericht in der Tilledaerstraße. Ein Zug Bürger musste der Exekution beiwohnen. Die Geistlichen zogen voran, dann folgten bewaffnete Amtspersonen und angesehene Bürger. Als Zuschauer umstanden die Bürger die Gerichtsstätte. Bei einer solchen Hinrichtung zeigte sich die allgemeine Gefühllosigkeit der damaligen Zeit am deutlichsten. Die letzte Hinrichtung in Kelbra, bei der die Bürgerschaft das "Alte Gericht" umstanden, war am 27.April 1731. Der Richtplatz war eine ängstlich gemiedene Scholle Land, von der die Alten mit Schaudern den Nachkommen erzählten.
 
1729 überfluteten die Hochwasser der Helme die Goldene Aue, die einen großen See glich. Jede Verbindung zwischen den Ortschaften war durch die Wassermassen unterbrochen.

1732 ordnete der Stadtrat an, dass die Bäcker der Stadt sowie die anderen Handwerker auch, ein Standgeld von 1 Groschen für jeden Jahrmarkt zahlen sollten. Die Bäcker weigerten sich aber, da sie nach ihrer Innungsordnung einen festen Stand hatten und dafür Abgabefreiheit genossen. In den 30er Jahren des 18. Jahrhundert hielt die Knopfmacherindustrie in Kelbra Einzug. Sie entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Industriezweig.

1736 erhielt die Kelbraer Sattlerinnung eine landesherrliche Handwerkerordnung.

1738 ließ der Graf zu Stolberg, die bis dahin in der Goldenen Aue unbekannte Kartoffel versuchsweise im Schlossgarten anbauen. Im nächsten Jahr erfolgte der Anbau auf Feldern. Die Landwirte begegneten dem Kartoffelanbau aber noch lange mit Abneigung. Sie brauchten viele Jahre um den Wert der nützlichen Frucht zu erkennen. Um 1750 wurde ihr Anbau dann allgemeiner.

1741 brach in der Stadt Feuer aus, dass in wenigen Stunden 65 Häuser (Scheunen und Stallungen nicht mitgerechnet) einäscherte. Darunter befanden sich auch das alt ehrwürdige Rathaus und das herrschaftliche Vorwerk, auch einige brauberechtigte Häuser brannten nieder. Mit dem Rathaus verlor die Stadt ein Schmuckstück, dieses reich verzierte Gebäude war eines der ältesten Bauwerke Kelbras. Im Rathaus müssen sich manche wichtigen Aktenstücke und interessante Urkunden befunden haben, damit sind historische und auch wissenschaftliche Schätze den Flammen zum Opfer gefallen. Nach dem Brand standen auch viele Bürger vor dem Nichts, eine allgemeine Notlage herrschte in der Stadt.
 
1749 herrschte unter dem Hornvieh eine unbekannte Seuche, deshalb ließ der Stadtrat die Stadttore am Tag bewachen, damit kein krankes Vieh in die Stadt gebracht werden konnte.

1757 herrschten in Kelbra-Altendorf die Pocken, die viele Opfer unter den Kindern forderten. Diese hässliche Krankheit wütete bei reichen wie auch bei armen Leuten und brachte Tod oder Verstümmelung und Entstellung.
Wer diese Krankheit überlebte, blieb für sein Leben gezeichnet. Für viele Kinder war auf ihrem Lebensweg entscheidend, wie sie durch die Pocken gekommen waren. Diese Krankheit hat lange Zeit herzbrechendes Unglück gebracht. Erst als 1799 die Impfungen eingeführt wurden, verringerte sich die Zahl der Erkrankungen und Entstellten. Die Schönheit der deutschen Frauen wurde wieder häufiger und sicherer.

1757 starben 80 Personen, die meisten davon an Pocken. Herr Karl Ludwig Heinrich von Kraft verlor an der Seuche fünf Kinder.

1771 brachte viele Niederschläge. Nach langem Regen kam es zu einem Katastrophenhochwasser, wie es auch die älteren Bürger noch nicht gesehen hatten. Alle Wiesen waren überflutet, alles Gras war verdorben, die Stege und Brücken hatte das Wasser fortgerissen. Weil die Wege grundlos waren, konnten die Anspänner nicht genug Futter für das Vieh heranschaffen. Ende Juli stand das Gras und Getreide in der Aue immer noch unter Wasser, so das nicht abzusehen war, ob davon etwas eigefahren werden konnte.

1774 tobte ein starkes Hagelgewitter, es kam zu einer erneuten Überschwemmung. Die Flur war abermals verwüstet. In dieser schweren Zeit fiel die Aufbringung von 600 Talern die die Regierung zu Frankenhausen für die Kosten Gräben-u. Uferreparaturen vom Vorjahr verlangte. Die schlechten Ernten und die Geldarmut in der Stadt machte es unmöglich, die große Summe zu beschaffen, deshalb wandte sich die Stadt an den Fürsten nach Rudolstadt und bat um Erlass der Zahlung.

1776 ging ein schweres Gewitter über Kelbra nieder. Ein Blitz traf das Haus Tilledaer Str.3, dabei kamen die Bewohner ums Leben. Der Hausherr wurde leblos, mit offenen Augen am Ofen sitzend gefunden, die Frau kniender Stellung an der Wiege, wo sie  den Säugling die Brust gereicht hatte. Das Kind blieb am Leben.

1777 konnte endlich der Wiederaufbau des 1741 abgebrannten Rathauses abgeschlossen werden.

1783 brachte schadensreiche Wetterkapriolen.

1797 herrschten die Blattern in Kelbra. Zehn Personen starben an dieser hässlichen Krankheit.

Am 16.Oktober 1799 verstarb das letzte Glied der etwa 700 Jahre wohnhaften Familie von Arnswald, Fräulein Christiane Louise Friderique von Arnswald.

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